Kertsch
Bereits im 6. Jh. v. Chr. gründeten griechische Kolonisten an dieser strategisch günstigen Stelle eine Siedlung, Pantikapej. An ihrer schmalsten Stelle ist die Meerenge von Kertsch nur vier Kilometer breit. Die Spitze der Halbinsel bildet somit ein Sprungbrett in die Kaukasusregion und kontrolliert die Ausfahrt aus dem Asowschen Meer, in welches der Don mündet.

Salopp gesagt gaben sich auch alle Völker, die auf der Krim präsent waren, in Kertsch die Klinke in die Hand. Nach dem Zerfall des Bosporianischen Reiches, dessen Hauptstadt es war, wurde die Stadt im 4. Jh. n. Chr. von den Hunnen zerstört. Später herrschten hier Tataren, Genueser und Osmanen. 1783 annektierte Katharina II. die Krim und Kertsch wurde nach Sewastopol der zweite wichtige Flottenstüztpunkt der Russischen Schwarzmeerflotte.

Kertsch war im II. WK Schauplatz heftiger Kämpfe. In einem verzweigten Gewölbesystem verschanzten sich viele Einwohner und Reste der Roten Armee, die erst durch größere Operationen der Wehrmacht 1942 unter deutsche Kontrolle gebracht wurden. Über 15.000 Menschen fanden hier den Tod. Bei der Rückeroberung der Krim durch sowjetische Truppen, deren Auftakt eine maritime Operation im November 1943 über die Meerenge von Kertsch bildete, fanden wieder schwere Kämpfe statt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kertsch zu einem wichtigen militärischen und industriellen Standort ausgebaut, der durch den Zerfall der Sowjetunion viel an Bedeutung einbüßte.

Die touristische Infrastruktur ist in Kertsch und Umgebung noch unterentwickelt, trotz vieler Sandstrände. An Sehenswürdigkeiten sind die Gedenkstätten des II. WK auffällig. Auch ein Teil des Gewölbesystems mit einer Ausstellung ist zu besichtigen.

Auf dem Mitridat Hügel (92 m) befand sich das historische Zentrum von Kertsch, von hier bietet sich ein schöner Rundblick über die Stadt. Am Fuße des Hügels ist in dem Demeter-Museum neben archäologischen Fundstücken die Reproduktion eines Fresko aus der Demeter-Gruft zu sehen. Die Gruft wurde 1895 zufällig in der Nähe des heutigen Busbahnhofes entdeckt.

Unmittelbar am Busbahnhof ist ein vorchristlicher Grabhügel, der Melek Tschesmenskij Kurgan, zu besichtigen. In der Umgebung von Kertsch gibt es noch viele dieser Begräbnisstätten, etwas außerhalb im Norden von Kertsch ist noch der Zarskij Kurgan für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein Zeugnis der Osmanenzeit ist die Festung Enikale, ebenfalls nördlich gelegen, an der schmalsten Stelle der Meerenge von Kertsch. Die Festung wurde von 1699 bis 1706 errichtet.


FENSTER SCHLIESSEN

© Gaasterland-Verlag 2003-2012